Von Menschen und Robotern

Heute findet sich auf Süddeutsche Online ein Kommentar von Ulrich Schäfer: „Der Roboter wird den Menschen nie ersetzen„. Dabei zieht er Vergleiche aus der Vergangenheit heran, die in der Tat auf den ersten Blick einleuchten: „Nachdem das Auto erfunden worden war, verloren zwar die Kutscher ihren Job; aber es entstanden Berufe wie der des Autoingenieurs oder Kfz-Mechanikers, des Tankwarts oder Taxifahrers. Ähnlich war es nach der Erfindung des Flugzeugs: Ozeanliner samt Besatzung waren kaum mehr gefragt, stattdessen entstanden neue Berufe an Bord und am Boden, im Flugzeugbau und in der Wartung.“

Wenn man diese Vergleiche genauer ansieht, dann stellen sich jedoch ganz andere Fragen.

  • Ja, klar, die technische Entwicklung hat nicht den Menschen ersetzt. Aber sie hat dessen Jobs ersetzt. Die Roboter werden also nicht den Menschen ersetzen, aber in weiten Teilen dessen Arbeit, vermutlich mehr als jemals zuvor. Wie wollen wir damit umgehen?
  • Die Entwicklung von Robotertechnik, künstlicher Intelligenz und Co. ist um ein Vielfaches schneller und einschneidender als alles zuvor. Um das Bild aus der Vergangenheit aufzugreifen: Was machen wir, wenn das Auto zwar die Kutsche ersetzt und sich der Kutscher frohgemut und optimistisch zum Taxifahrer umschulen lässt, aber nach der Umschulung merkt, dass Kollege Roboter schon da ist? Beginnen wir mit einem Hase-Igel-Wettlauf?
  • Die Autos, die die Kutschen ersetzten, waren dumm und benötigten den Menschen, sonst standen sie als Blechbüchsen am Straßenrand. Roboter werden immer kleverer. Was machen wir, wenn die Roboter sich selbst organisieren?

Der Kommentar von Ulrich Schäfer hat für mich den Charakter: „Na, dann pfeifen wir mal kräftig im dunklen Wald und vertreiben die Roboter.“ So können wir die Zukunft nicht gestalten, denn die Entwicklung von Robotern und Künstlicher Intelligenz ist eben nicht mit der Industrialisierung im 18./19. Jahrhundert zu vergleichen. Wir benötigen andere, neue Konzepte. Wo ich Ulrich Schäfer zustimme: Bangemachen gilt nicht. Wir müssen zumindest im Groben vorhersehen, wohin sich Roboter und Künstliche Intelligenz in den nächsten Jahren entwickeln werden. Und wir müssen uns darauf konzentrieren, was uns als Menschen auszeichnet, was nur sehr, sehr schwer durch Künstliche Intelligenz nachzubilden ist. Das ist dann der Boden, auf dem neue Jobs entstehen.

Der Schlüssel hierzu ist Bildung und Weiterbildung. Warum lehren Schulen immer noch, wie viele Beinchen die Stubenfliege hat? Schüler zücken ihre Gehirn-Erweiterung namens Smart-Phone und wissen das. Wir müssen vielmehr identifizieren, was uns Menschen langfristig – und damit meine ich maximal eine Generation, spätestens dann müssen wir uns neue justieren – vom Kollegen Roboter unterscheidet und darauf müssen wir unser Augenmerk legen. Der Roboter ist – noch – unser Knecht, der die Wohnung saugt und den Rasen mäht – und uns damit Zeit gibt, uns auf unser Menschsein und unsere kaum ersetzbaren Stärken zu besinnen. Eine Vogel-Strauß-Vorgehensweise nach dem Motte „Alles wird gut“ hilft uns nicht weiter.

Lernenden Grüße aus dem Rheinland

Konrad Fassnacht

 

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Konrad Fassnacht

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